Vorstellungsrede des Oberbürgermeisterkandidaten

Lieber Martin,

sehr geehrte Gäste,

liebe Parteifreunde!

 

Ich darf mich kurz vorstellen, für die, die mich noch nicht kennen: Mein Name ist Lars Blumenhofer, ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und tätig als Manager für eines der weltweit größten IT-Unternehmen. Ich begleite Unternehmen, damit sie den digitalen Wandel möglichst reibungslos meistern und fit für die Zukunft sind.

 

Meine Frau sagt immer, sie dankt Gott dafür, dass sie in Bayern und Rosenheim geboren ist. Dafür, dass ich hier geboren bin, kann ich ihm zwar nicht danken, aber sicherlich dafür, dass es mich seit Mitte der 90er Jahre in diese wunderschöne Region und Stadt geführt hat.

 

Ich kenne viele Städte weltweit, bin im Ruhrgebiet aufgewachsen, habe in Berlin gelebt, im Ausland gearbeitet, aber Rosenheim ist meine Heimat geworden. Und das hat einen Grund. Diese Stadt ist wunderbar – und ich möchte, dass es so bleibt und im Idealfall sogar noch besser wird.

 

Wohin es führt, wenn man einen Strukturwandel verschläft, kann man teilweise im Ruhrgebiet sehen. Blühende Innenstädte sehen anders aus. So weit ist Rosenheim noch lange nicht, aber wir müssen aktiv handeln, statt nur verwalten – damit wir Vorsprung und Lebensqualität nicht verlieren.

 

Und gleich vorab gesagt: Die Rosenheimer Politik hat in der Vergangenheit viel richtig gemacht und ich denke, dafür darf man auch Respekt zollen. Aber die letzten Jahre gab es Stillstand. Das werden wir ändern.

 

Denn wir stehen jetzt aber an einem Punkt, der wegweisend sein wird. Digitaler Wandel, Wohnungsprobleme und Zuzug, Verkehr und Klima – um nur mal wesentliche Themen zu nennen. Das wird so gravierend unsere Gesellschaft verändern wie die

industrielle Revolution. Begreifen wir es aber nicht als Problem, sondern als Chance für Rosenheim. Denn wir sind gut aufgestellt.

 

Kommen wir zu einigen Themen:

 

Klimaschutz und Verkehr.

 

Klimaschutz ist selbstverständlich wichtig und wir müssen viel mehr tun. Intelligent – aber ohne ideologischen Focus. Und natürlich hängt der Klimaschutz mit vielen anderen Themen zusammen, man kann das nicht isoliert sehen. Nutzen wir es auch, um die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen, nicht zu vermindern.

 

Lassen Sie mich das an einem Beispiel festmachen: Meine Vorstellung ist es, den Autoverkehr im Innenstadtbereich möglichst weit zu reduzieren, den Menschen Teile der Stadt zurückzugeben. Und durchaus auch, da wo möglich und sinnvoll, die Fußgängerzone auszubauen und mehr Flächen für Fußgänger, Radfahrer etc. zu schaffen und auch zum Beispiel weitere zentrale Fahrradparkplätze. Und das sage ich, als begeisterter Auto- und Motorradfahrer!

 

Denn wir müssen den Menschen Alternativen bieten, die die Lebensqualität erhöhen. Zum Beispiel einen zeitgemäßen ÖPNV. Wenn er fährt, ist der ÖPNV in Rosenheim gut - und ich denke, der Betreiber macht einen guten Job. Wir hatten uns selbst vor Ort informiert. Aber die Vorgaben, der Rahmen dazu ist alles andere als zeitgemäß. Schlicht gesagt, das ist ein Witz. Wir brauchen einen ÖPNV, der mit der Bahn synchronisiert ist, ggf. auch mit dem Tarif der DB und Meridian kombiniert. Und auch abends und am Wochenende in sehr regelmäßigem Takt in alle Stadtteile fährt – damit die Innenstadt noch attraktiver wird und vor allem nach Geschäftsschluss oder am Sonntag nicht wie ausgestorben ist.

 

Und ja, das kostet Geld, aber das sollte es uns wert sein.

 

Und warum denken wir nicht auch darüber nach, ein bzw. mehrere Parkhäuser am Stadtrand zu schaffen, die dann mit einem kostenlosen Bus-Pendelverkehr die Innenstadt bedienen? Das hilft den Menschen und sicher auch dem Tourismus.

 

Digitaler Wandel.

 

Ich denke, viele Menschen können sich noch nicht wirklich vorstellen, welcher Wandel die Digitalisierung bringen wird. Ganze Berufsbilder werden wegfallen -Stichwort beispielsweise selbstfahrende Fahrzeuge, Roboter etc.-. Dafür werden neue entstehen. Darauf kann man sich selbstverständlich vorbereiten – aber natürlich nicht mit Politik der 70er Jahre.

 

Wir sehen es im Einkaufsverhalten. Menschen kaufen viel und immer mehr online ein. Darauf muss der Einzelhandel in der Stadt und auch die Politik reagieren. Mit Innenstadt-Konzepten aus dem letzten Jahrhundert wird das sicher nichts werden. Eine sinnvolle Kombination von Online- und Offline-Angeboten kann da helfen, vielleicht muss sich auch die Art der Angebote ändern. Eine umfassende Wirthauskultur und -was die Stadt fördern kann- vielfältige Veranstaltungen werden auch im Online-Zeitalter attraktiv bleiben.

 

Apropos Veranstaltungen und Attraktivität.

 

Rosenheim ist attraktiv. Das sieht man durchaus am Zuzug. Auch von Menschen, die bislang zum Beispiel in München gelebt haben und dort arbeiten. Es ist prinzipiell wunderbar, dass unsere Stadt so attraktiv ist. Wir müssen aber darauf achten, den Charakter zu bewahren. Das schlimmste, was hier passieren kann, ist, dass Rosenheim irgendwann zur reinen Schlafstadt verkommt. Steigern wir die Attraktivität, das kulturelle Leben und holen wir alle Menschen ab, aktiver Teil unserer Gemeinde zu sein. Auch das ist die Basis für unsere Identität. Rosenheim hat viel zu bieten – und noch mehr in Zukunft.

 

Wohnungen und Bauen ist das nächste Thema. Jeder kennt die aktuelle Wohnungssituation. Schwierig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Dagegen hilft eigentlich nur bauen, bauen und bauen. Und ganz sicher nicht sozialistische Enteignungstheorien. Unbürokratische Wege, aber mit Sinn und Verstand. Die wenigen innerstädtische Brachflächen nutzen und Bestandsflächen verdichten. Ich habe es am eigenen Beispiel erlebt: Ich wohne in der Kastenau. Auf dem Grundstück, wo wir wohnen, stand vorher ein Einfamilienhaus, jetzt sind es 7 Reihenhäuser. Das wird sicher Stadtteile verändern, aber die Politik muss sicherstellen, dass der Charakter der Stadt und der Stadtteile erhalten bleibt. Dennoch führt an Verdichtung kein Weg vorbei. Das ist sicherlich immer noch besser, als massiv -die ohnehin nicht üppig vorhandenen- Freiflächen zu versiegeln. Und es wird eine Aufgabe der Politik sein sicherzustellen, dass Einheimische nicht irgendwann aus Rosenheim wegziehen müssen - weil sie sich keine Wohnung mehr leisten können. Packen wir das an, gemeinsam.

 

Wirtschaft.

 

Rosenheim ist attraktiv für die Menschen und sicher auch für Unternehmen. Bei aktiver Wirtschaftsförderung haben wir sicher noch Luft nach oben. Denken wir groß. Warum sollte sich eine Europazentrale einer großen Firma, zum Beispiel aus Asien, statt in München nicht in Rosenheim ansiedeln? Nun, in Shanghai kennt man Rosenheim vermutlich nicht. Ändern wird das. Wir haben gute Argumente, qualifizierte Menschen und eine wunderbare Umgebung, wahrlich eine Bilderbuchlandschaft – und eine

hervorragende Lebensqualität.

 

Weitere qualifizierte Jobs zu schaffen ist eine Aufgabe, die ich als Oberbürgermeister angehen werde - auch um die Notwendigkeit nach München zu pendeln zu verringern. Das ist gut für die Menschen – und im Übrigen auch für das Klima. Und auch dazu gehört der weitere Breitbandausbau, wo wir ja auf einem guten Weg sind.

 

Und das sind nur einige Themen. Diese aber zeigen, dass nur die Summe der Themen Rosenheim voranbringt. Nicht die Fokussierung auf ein Thema.

 

Miteinander.

 

Das ist für mich entscheidend. Ich werde nie den Stil akzeptieren, der leider in den letzten Jahren zugenommen hat. Ausgrenzen, lauter brüllen ist ganz sicher nichts, was uns voranbringt. Nicht die Lautstärke entscheidet, sondern die Argumente. Zumindest müssen wir dahin wieder zurück.

 

Ich möchte ein Oberbürgermeister für alle Menschen sein. Für Einheimische, für Zugezogene, für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und auch für Menschen, die hier -zum Beispiel aufgrund Flucht- temporär leben. Aber eines ist auch klar: Unsere freiheitliche Lebensweise ist nicht verhandelbar, ebenso nicht wie unsere Werte. Ich möchte eine liberale, freiheitliche und weltoffene Stadt. Leben und leben lassen. Klassisch bayerisch, aber leider in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten.

 

Zuhören ist mir wichtig.

 

Das erste, was ich in den nächsten Wochen machen werde, ist auf möglichst viele Menschen zu zugehen und zuzuhören. Die Menschen wissen doch genau, wo Probleme sind – und was vielleicht sogar Lösungen sind. Hören wir mehr auf die Menschen, die Vereine, die Gewerbetreibenden, die Kulturschaffenden und alle, die Teil dieser Stadt sind. Ich freue mich auf einen Dialog.

 

Zudem lade ich auch Nichtmitglieder ein, mitzugestalten. Kommen Sie zu mir, kommen Sie zu den Liberalen. Diskutieren Sie mit uns, streiten Sie mit uns um die gemeinsame Sache, um die Zukunft dieser Stadt. Darum, die besten Lösungen für die beste Stadt in Oberbayern zu erreichen. Wir können noch mehr, als wir uns das heute vorstellen können.

 

Ebenso lade ich engagierte Bürger ein, sich als freie Bürger auf der Liste der FDP Rosenheim um ein Mandat im Stadtrat zu bewerben. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viel ergänzende Sachkompetenz die Politik für Rosenheim bereichert.

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir zusammen mit unabhängigen, freien Bürgern die Chance haben, diese Stadt noch lebenswerter zu gestalten – und den Stillstand aufzubrechen.

 

Ich stehe dafür, den Charakter von Rosenheim zu bewahren, die Zukunft zu sichern und eine pragmatisch orientierte Politik -ohne Ausgrenzungen - für die Menschen zu machen. Und vieles, was den Alltag angeht, zu verbessern. Beispiel ÖPNV. Die Kommunalpolitik ist für den Bürger da – und das müssen wir wieder deutlich machen.

 

Dafür, liebe Mitglieder, brauche ich Euch. Lasst uns den Wahlkampf 2020 unvergessen machen, lasst uns um die besseren Argumente kämpfen, diskutieren und die Menschen überzeugen. Die CSU hat mitnichten ein Abo auf das Bürgermeisteramt dieser Stadt. Und ich glaube auch nicht, dass es eine Gesellschaft voranbringt, wenn seit fast 60 Jahren eine Partei den Bürgermeister stellt.

 

Aber das werden wir ab 2020 ändern. Machen wir den Bürgern genau dieses Angebot. Grün ohne Verbote und bürgerlich ohne Amigos – ja, das geht und dafür stehe ich.

 

Apropos CSU. Die CSU hat vor wenigen Tagen Andreas März als OB-Kandidat nominiert. Die Süddeutsche Zeitung hat am 12.April 2019 einen Artikel zu einer möglichen Nominierung online veröffentlicht.

 

Darin heißt es „Derweil gibt Andreas März sein erstes Ziel aus - eine Nominierung im Sommer vorausgesetzt, wie er betont: Es gelte zunächst, eine Stichwahl zu vermeiden - womöglich gegen einen bürgerlichen Kandidaten, hinter dem sich dann alle außer der CSU versammeln.“

 

Herr März, ich freue mich darauf.

 

Abschließend möchte ich anmerken: Jeder Wechsel bedeutet eine Chance. Zudem habe ich einen Vorteil: Da ich bislang nicht im Stadtrat war, sehe ich einiges vielleicht anders, vielleicht mehr mit den Augen des Bürgers. Und genau das möchte ich zum Wohl der Stadt nutzen!

 

Ich stehe für eine neue Ära, bei Bewahrung sinnvoller Kontinuität. Lassen wir die Menschen entscheiden und mitreden.

 

Vielen Dank.

 

 

 

- Es gilt das gesprochene Wort -